Warum Kommunikation nicht immer spannender werden muss

Praxis.


Die Spannungskurve einer guten Geschichte geht niemals stetig bergauf. Natürlich steigert sich die Spannung im Verlauf der Handlung. Natürlich ist der Höhepunkt der spannendste Moment.

Nimmst Du Romane oder Drehbücher genau unter die Lupe, so werden Dir immer wieder kleine Plateaus auffallen, an denen der Spannungsaufbau stagniert. Diese Plateaus sind kein Mangel, sie tragen – gezielt eingesetzt – ihren Teil zu einer aufregenden und mitreißenden Geschichte bei. Sie folgen immer auf einen besonders spannenden Moment und helfen dem Zuschauer oder Leser, sich einen Moment zu entspannen, das soeben Gesehene und Miterlebte zu verarbeiten und somit wieder Kräfte für den nächsten spannungsgeladenen Augenblick zu sammeln.

In der Beratung erlebe ich regelmäßig, dass Unternehmen sich selbst unter einen ungemeinen Erwartungsdruck setzen. Jeder Blogeintrag, jede Presseinformation und erst recht jedes YouTube-Video „muss“ spannend, aufregend, das nächste große Ding sein. Ich sehe den Verlauf von einzelnen und aufeinander abgestimmten Kommunikationsmaßnahmen über einen Zeitraum hin zu beispielsweise einer Markteinführung eines neuen Produktes ähnlich einem solchen Spannungsbogen. Wer mit jeder Neuigkeit und Nachricht vorab Kommuniziertes in seiner Bedeutung und Emotionalität übertreffen will, ist nicht spannend, sondern unglaubwürdig. Wenn schon in perfekt ausgestalteten Geschichten nicht jeder Augenblick spannender als der letzte ist, warum sollte es dann in der Realität anders sein? Unser Alltag ist in der Regel alles andere als unfassbar spannend.

Besonders die nicht strategischen, kleineren, leiseren Nachrichten – ein erfolgreich abgeschlossener Azubi-Jahrgang, das soziale Engagement eines Mitarbeiters, die Kooperation mit einer Uni – verraten viel über die Unternehmenskultur. Neben den großen Nachrichten, die häufig die Tendenz haben, „Wir sind die Größten!“ und „Wir haben das beste Produkt!“ unterschwellig zu kommnuzieren, sind es besonders diese scheinbar abflachenden Momente im Spannungsbogen der strategischen Kommunikation, in denen es wirklich um die Menschen eines Unternehmens geht.

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