95 Storytelling-Thesen

Inspiriert von den 95 Thesen des Cluetrain Manifestos, die ihrerseits angelehnt an Luthers 95 Thesen sind und damit eine gewisse Tradition fortführen, habe ich meine Thesen zum Storytelling und dessen Einsatz in der Unternehmenskommunikation und damit als Form des Marketings aufgeschrieben.

Die 95 Thesen sollen mir dabei helfen, dass ich den Überblick über die Ideen behalte, die hinter meiner Arbeit stehen. Und sie sollen mich limitieren (These 51). Wenngleich die Zahl selbst historisch vorgegeben zu sein scheint, so bleibt sie doch willkürlich. Ich hätte auch 101 Ideen nehmen können, empfand dies aber zu manipulativ. Wenn ich nicht mehr hinter einer These stehe, werde ich sie ändern oder löschen. Damit ist und bleibt diese Seite ein aktueller Stand dessen, was mir im Bezug auf Storytelling wichtig ist und wie ich Storytelling definiere. Das exakte Änderungsdatum findest Du am Seitenende.

Habe ich eine wichtige These vergessen? Schreib‘ mir eine E-Mail und sag mir, welche Du für sie löschen würdest.

Danke Ben für Deine Tipps! Sie sind eine gute Ergänzung und finden sich unten stehend wieder. Danke, Mr. McKee, für alles, was Sie mir beigebracht haben!

Die Thesen

  1. Storytelling ist zeigen, nicht erzählen
  2. Geschichten zu erzählen, ist menschlich
  3. Geschichten sind nicht intellektuell
  4. Geschichten vermitteln Ideen, ohne sie direkt auszusprechen
  5. Geschichten befriedigen emotional
  6. Geschichten werden zwischen Menschen erzählt
  7. Geschichten zu erzählen ist die natürlichste Form der Unterhaltung
  8. Geschichten sind der soziale Kleber, der Menschen zusammenhält
  9. Geschichten reduzieren Erfahrungen auf das Wesentliche
  10. Geschichten verleihen Erfahrungen Sinn
  11. Geschichten sind Erfahrungen, für die Menschen keine Konsequenzen tragen müssen
  12. Geschichten sind lehrreich, weil sie von Widerständen und dem Erreichen von Zielen berichten
  13. Erreicht ein Protagonist sein Ziel, ist die Geschichte unweigerlich zu Ende
  14. Je spezifischer eine Geschichte ist, desto universeller ist ihre Bedeutung
  15. Geschichten vermitteln Botschaften
  16. Menschen sind überlebensfähig, weil sie die Realität in Geschichten simulieren
  17. Konflikte sind das einzige, was Geschichten antreibt
  18. Es gibt vier Arten von Konflikten: innere, zwischenmenschliche, soziale, physikalische
  19. Die Schwere der Konflikte nimmt im Verlauf der Geschichte zu
  20. Je stärker die Konflikte, desto emotional und intellektuell brillianter der Protagonist, desto besser die Geschichte
  21. Eine Geschichte ist so zu erzählen, dass das Publikum ihren Verlauf als einzig möglichen Verlauf wahrnimmt
  22. Jeder Auslöser einer Geschichte bringt das Leben aus dem Gleichgewicht
  23. Jede Geschichte ist eine Suche danach, warum und wie sich das Leben ändert und wie Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann
  24. Jede Geschichte hat einen Höhepunkt, auf den jedes Element einer Geschichte hinarbeitet
  25. Eine gute Geschichte macht ihren Höhepunkt bedeutungsvoll, emotional, erlebbar
  26. Eine gute Geschichte gibt ihrem Publikum, was es möchte
  27. Eine gute Geschichte gibt ihrem Publikum nicht, was es erwartet
  28. In Geschichten treffen Menschen schwerwiegende Entscheidungen
  29. Eine schwerwiegende Entscheidung wird daran gemessen, was der Protagonist zu Gunsten seiner Wahl aufgibt
  30. Den Wert einer Geschichte bestimmt das Publikum
  31. Der emotionale Wert zu Beginn einer Geschichte ist anders als an ihrem Ende
  32. Geschichten stiften Identität
  33. Geschichten stiften Sinn, wenn sie auf Basis gemeinsamer Werte erzählt werden
  34. Geschichten sind Metaphern für das Leben
  35. Geschichten heben das Spannenste für den Schluss auf
  36. Jede Geschichte hat einen Protagonisten
  37. Die Handlung einer Geschichte wird durch die Handlungen der Charaktere bestimmt
  38. Die Handlungen der Charaktere werden durch ihren Charakter bestimmt
  39. Charaktere haben einen eigenen Willen, sind in der Lage, ihr Ziel zu erreichen und folgen ihrer Leidenschaft bis an die Grenze des für sie Machbaren
  40. Der Protagonist ist eine Metapher für jedes Individuum im Publikum – wären sie an seiner Stelle, würden sie sein Ziel auch erreichen wollen
  41. Menschen fühlen sich menschlich, weil sie aus Erinnerungen ihre Lebensgeschichte formen
  42. Menschen fühlen sich verbunden, weil sie aus Geschichten ihre Kultur formen
  43. Geschichten werden weitergegeben
  44. Alle Geschichten sind bereits erzählt worden
  45. Keine Geschichte ist identisch mit einer anderen
  46. Wahrheit bedeutet zu erzählen, wie und warum etwas passiert
  47. Fakten sind nicht Wahrheit, sie zeigen, was passiert, sie sind neutral
  48. Geschichtenerzähler erzählen wahre Geschichten
  49. Geschichtenerzähler müssen ihrem Publikum immer einen Schritt voraus sein
  50. Geschichtenerzähler schreiben aus der Perspektive ihrer Charaktere
  51. Geschichtenerzähler limitieren ihre eigenen Möglichkeiten
  52. Geschichtenerzähler vermeiden um jeden Preis Klischees
  53. Geschichtenerzähler recherchieren, bis sie Experten sind
  54. Sind Geschichtenerzähler keine Experten auf ihrem Gebiet, erzählen sie die Geschichte nicht
  55. Geschichtenerzähler glauben, was sie erzählen
  56. Geschichtenerzähler sind ehrlich
  57. Geschichtenerzähler tragen ausschließlich Verantwortung gegenüber sich selbst und ihrem Publikum
  58. Storytelling kann in jedem Unternehmen eingesetzt werden
  59. Geschichtenerzähler dürfen nicht der Kontrolle durch Unternehmen unterliegen, selbst wenn sie für sie arbeiten
  60. Unternehmen müssen Mäzene für Geschichtenerzähler sein, wenn eine Geschichte wahrhaftig erzählt werden will
  61. Die Geschichten eines Unternehmens sind seine einzig wahren Alleinstellungsmerkmale
  62. Probleme, Schwierigkeiten und Konflikte bilden die Ausgangspunkte für unternehmerisches Storytelling, sie werden nicht verschwiegen
  63. Geschichten verbinden Informationen mit Emotionen und bewegen ihr Publikum so zum Zuhören, Erinnern und Handeln
  64. Geschichten sind die effektivste Form, das Denken von Menschen zu beeinflussen und sie zum Handeln zu bewegen
  65. Unternehmensgeschichten haben nichts mit der Unternehmenshistorie zu tun
  66. Die Unternehmenshistorie stellt Ereignisse in den Vordergrund, keine Menschen
  67. Storytelling stellt die Menschen (Mitarbeiter, Geschäftspartner oder Kunden) immer in den Vordergrund
  68. Storytelling ist für Unternehmen relevant, weil Menschen sich nur um Menschen sorgen – nicht um Unternehmen
  69. Produkte sind keine Helden
  70. Unternehmen sind keine Helden
  71. Storytelling hat die Aufgabe, den Sinn unternehmerischen Handelns zu beweisen
  72. Storytelling in Unternehmen ergibt nur Sinn, wenn diese langfristig denken
  73. Storytelling in Unternehmen ergibt nur Sinn, wenn diese Verantwortung übernehmen
  74. Marketing ist die Ausrichtung eines Unternehmens auf seine Geschichten
  75. Marketing ist nicht die Ausrichtung eines Unternehmens auf den Markt
  76. Marketing ist Storytelling
  77. Erfolgreiches Marketing ist serielles Storytelling
  78. Im Storytelling für Unternehmen gibt es kein Happy End
  79. Storytelling verschafft Respekt, der Ausgangspunkt jeder Beziehung zwischen Unternehmen, seinen Mitarbeitern, Kunden und Partnern
  80. Storytelling schafft Vertrauen, die Grundlage jeder Geschäftsbeziehung
  81. Unternehmen sind auf das Vertrauen ihrer Kunden angewiesen
  82. Kunden sind nicht auf das Vertrauen von Unternehmen angewiesen
  83. Menschen glauben Geschichten, wenn ein Unternehmen ehrlich zu ihnen ist
  84. Menschen glauben Geschichten, wenn ein Unternehmen auf Augenhöhe mit ihnen kommuniziert
  85. Menschen glauben Geschichten, wenn Menschen in Unternehmen menschlich sein dürfen
  86. Storytelling macht Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen einzigartig
  87. Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen sind einzigartig, wenn sie echt sind
  88. Echt ist ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung, wenn ehrlich mit den positiven, neutralen und negativen Eigenschaften umgegangen wird
  89. Ob eine Eigenschaft eines Unternehmens, eines Produktes oder einer Dienstleistung positiv, neutral oder negativ ist, wird durch die Kultur und die individuellen Werte der Menschen bestimmt, die in dem Unternehmen tätig sind und die dessen Produkte kaufen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen
  90. Geschichten sind ein Vertrag zwischen Erzähler und Publikum, der den Austausch von Aufmerksamkeit gegen das Versprechen, eine emotional packende Geschichte zu erzählen, regelt
  91. Der Kern einer Geschichte, die kontrollierende Idee, besteht aus ihrem Wert (Bsp.: gerecht, ungerecht, verantwortungsvoll, verantwortungslos) und ihrer Ursache (warum etwas passiert)
  92. Wenn eine Geschichte keinen positiven Beitrag zur Gesellschaft beiträgt, ist ihr Beitrag negativ
  93. Eine Geschichte bildet eine Lücke zwischen den subjektiven Erwartungen des Publikums und der realen Welt
  94. Wiederholungen sind die Feinde jeder Geschichte
  95. Storytelling unterliegt drei Regeln: Pack das Publikum, halte es und zahl es aus