Tim A. Bohlen

Storytelling. Marketing hardwired.

Storycheck: Bobby Dekeyser und Dedon

Im Storycheck: Bobby Dekeyser, der Gründer von Dedon, einem Hersteller exklusiver Outdoor-Möbel.

Vier Fragen

Wem gebührt die Hauptrolle?
Bobby Dekeyser war aufstrebender Fußballtorwart, bis ein Unfall ihn ins Krankenhaus befördert. Dort hängt er seine noch junge Karriere spontan an den Nagel und entscheidet, Unternehmer zu werden.
Was will er erreichen?
Die besten Outdoormöbel herzustellen. Gemeinsam mit Freunden und Familie zusammen zu arbeiten. Für Werte wie Respekt, Liebe und Vertrauen einzustehen.
Wer (oder was) versucht, ihn zu stoppen?
Besessenheit für den Superlativ: Extrem hohe Ansprüche seitens der Kunden und seitens des Unternehmens selbst, hohe Qualitätsanforderungen, komplexe Prozesse durch eine hohe Fertigungstiefe.
Was passiert, wenn er verliert?
Sollte Dedon wirtschaftlich nicht überleben können, so würde nicht nur ein Unternehmen verschwinden, sondern ein Lebenskonzept scheitern und eine Familie zerschlagen.

Vier Archetypen

Inwiefern ist die Hauptrolle eine “Waise”?
Bobby Dekeyser ist am Beginn einer großen Fußballkariere, bis er durch einen Unfall ins Krankenhaus eingewiesen wird und spontan seine Laufbahn als Fußballstar aufgibt. Er steht wieder am Anfang.
Inwiefern ist die Hauptrolle ein “Wanderer”?
Bobby will Unternehmer werden. Er weiß, dass er mit Freunden und Familie zusammen arbeiten will, aber er weiß nicht, wie. Sie verkaufen diverse Dekoartikel und tüftelten an einem eigenen und einzigartigen Produkt: der Dedon-Faser. Auf einer Möbelmesse entdeckt Bobby außergewöhnlich gut geflochtene Rattan-Möbel und reist mit einer Rolle seiner Faser im Gepäck zu ihrem Herstellungsort auf den Philippinen. Einige Monate später wird Dedon zum Möbelhersteller. Bobby besucht mit seinen Produkten Messen und improvisiert beim Verkauf dieser. Allmählich bildet sich das Unternehmen Dedon.
Inwiefern ist die Hauptrolle ein “Krieger”?
Bobby hat immensen Erfolg mit den geflochtenen Outdoor-Möbeln. Das Unternehmen kommuniziert Wachstumsraten von bis zu 80%. Dedon expandiert, baut eine eigene Fabrik und den Unternehmenssitz sowie Lagerstätten und Mitarbeiterstamm massiv aus.
Inwiefern ist die Hauptrolle ein “Märtyrer”?
In dieser Phase ist Bobby mit Dedon noch nicht angekommen.

Die Quick-Pitch-Formel

Als der aufstrebende Fußballprofi Bobby einen schweren Unfall hat, entscheidet er, ein Unternehmen zu gründen und entwickelt die Dedonfaser, aus der er weltweit erfolgreiche Outdoormöbel fertigt. (Keine Märtyrerphase.)


In der Kategorie Storycheck analysiere ich Unternehmer und ihr Unternehmen an Hand des von Jeffrey Alan Schechter entwickelten My Story Can Beat Up Your Story!-Systems. Für die Analyse nutze ich die auf diesem System aufbauende Software Contour. Mehr Informationen findest Du unter Nachschlagen.

Sag die Wahrheit!

Die Pflicht eines Geschichtenerzählers ist es, wahre Geschichten zu erzählen. Wahre Geschichten zu erzählen bedeutet aber nicht, reale Geschichten zu erzählen. Auch Batmans Geschichte kann wahr sein – inklusive Gotham City, dem Joker und Catwoman. Geschichten sind wahr, wenn sie nachvollziehbar sind, rational und emotional, wenn es keine logischen Brüche gibt und man sich vollends einfühlen und mitfühlen kann.

Mit anderen Worten: Jede Geschichte hat ihr eigenes Universum mit eigenen Gesetzen und diese dürfen sich nicht widersprechen! Deshalb muss ein Geschichtenerzähler vor allem seinen Kopf benutzen, auch wenn er das Herz der Zuhörer erreichen will.

Unternehmen trifft das Schicksal gleich doppelt, wenn sie sich mit Storytelling beschäftigen. Sie müssen nicht nur wahre Geschichten erzählen, sondern auch reale. Denn ihre Produkte sind verdammt real und erzählen unverblümt dieselben Geschichten, aber mit eigenen Worten: Produkte beweisen und widerlegen durch ihre Eigenschaften die Story, die das Unternehmen von sich und ihnen erzählt. Je legendärer, mythenhafter und fantastischer diese Geschichte, desto unerschütterlicher der Beweis durch das Produkt.

Eine Story ist ein Versprechen, dass das Produkt halten muss.

Probleme kommunizieren, nicht Lösungen

Ich wünsche mir ein Unternehmen, dass meine Probleme gleichberechtigt neben seine Lösungen stellt. Und das am besten gleich im Firmenslogan! Ein solches Unternehmen würde dann nicht blauäugig “Service Solutions” anbieten, sondern mit “Tackling Problems in IT” beweisen, dass es Interesse hat und mich ernst nimmt.

Egal ob Dienstleister, Händler oder Hersteller, die Arbeit fängt mit dem Problem des Kunden an, nicht mit der Lösung des Lieferanten.

Erst, wenn dieser sich mit meinen Sorgen und Wehwehchen auseinander gesetzt hat, wird er mir die richtige Lösung anbieten können.

Probleme sind kein Tabu-Thema, sie bilden das Fundament von Erfolgsgeschichten!

Ich wünsche mir ein Unternehmen, dass gleich im Slogan klarmacht, dass meine Probleme im Fokus stehen und es diese in Angriff nehmen und bewältigen kann – “tackle IT”.

Denkanstöße für visuelle Unternehmenskommunikation

Unternehmen haben viel zu berichten, vor allem an die eigenen Mitarbeiter. Besonders große Unternehmen informieren ihre Mitarbeiter häufig über Poster und Plakate, die an Standorten und Firmensitz aufgehangen werden. Richtlinien, Informationen zur Altersvorsorge und zu Rechten und Pflichten erscheinen mehr wie Werbeanzeigen und erhaschen eines nicht: Die Aufmerksamkeit des Mitarbeiters.

Gestern ist auf Wired.com ein Artikel über Carl Pappenheim erschienen. Dieser suchte auf den letzten Drücker noch ein Weihnachtsgeschenk für seine Mutter und kam per Zufall auf die Idee, Wörter grafisch anzuordnen und auf ein Poster zu drucken.

Aus dieser Idee ist mittlerweile das Unternehmen Spineless Classics geworden, welches Kurzgeschichten, aber auch komplette Romane auf Poster, Postkarten und sogar Puzzle druckt. Die Motive, die sich aus der grafischen Gestaltung ergeben, haben immer einen Bezug zur abgedruckten Geschichte.

Würde das Mission Statement eines Unternehmens nicht mehr im Fließtext erläutert und mit Stock-Foto-Material bebildert, sondern aus dessen Wörtern das Firmenlogo geformt, wie viel mehr Mitarbeiter würden lesen, worum es “ihrem” Unternehmen eigentlich geht? Und wie stände des um die Informationen zur Altersvorsorge in Form eines alten Mannes mit Gehstock? Vielleicht würden sogar die Sicherheitsbestimmungen für die private Nutzung des Firmencomputers Beachtung finden, wenn sie die Form des facebook Logos hätten.

Das Copyright für die Abbildung liegt bei Spineless Classics.

Robert McKee über Storytelling in Unternehmen

Robert McKee über die Effektivität von Storytelling in Unternehmen. In dem sechsminütigen Video vergleicht er verschiedene Techniken der Überzeugungsarbeit im Generellen und für PowerPoint im Speziellen.

Robert McKee ist der Autor von Story, dem Standardwerk für Drehbuchschreiben und Storytelling. Genaue Literaturangaben findest Du in der Rubrik Nachschlagen.

Produkte beweisen den Erfolg einer Geschäftsidee

Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, den ich suchte nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selber zu bauen. Ferry Porsche

Wenn jemand seine Kraft in die Entwicklung, Herstellung und den Verkauf eines Produktes steckt, muss er dafür einen guten Grund haben. Unzufriedenheit kann zum Beispiel einer sein. So, wie es Ferry Porsche in einem seiner berühmtesten Zitate beschreibt.

Wer ein für sich elementares Bedürfnis, einen Wunsch und oder einen Traum mit bereits Bestehendem nicht befriedigen kann, steht am Scheideweg von zwei möglichen Lebenswegen:

  1. Er entwickelt aus seiner Unzufriedenheit eine Geschäftsidee.
  2. Er lebt einfach damit, dass die Welt im nicht das zu bieten hat, was er gerne hätte.

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Die Preis-Story-Ratio: Je teurer das Produkt, desto wichtiger die Story

Qualität ist ein Verkaufsargument und rechtfertigt satte Preise. Qualität lässt sich aber nicht beliebig steigern: Vollkommenheit gibt es immer nur annäherungsweise. Sobald ein branchenüblicher Standard erreicht ist, branchenübliche Materialien verwendet wurden und handwerkliche Akrebie an den Tag gelegt wurde, gibt es nur noch ein Argument, welches höhere Preise rechtfertigt: das Unternehmen hat eine bessere Geschichte als der Wettbewerb zu erzählen. Wichtig: hat zu erzählen! Denn nur wahre Geschichten – und wenn es wenigstens Geschichten mit einem wahren Kern sind – sind authentisch, glaubwürdig und vor allem ihr Geld wert. Weiterlesen ›

Unzufriedenheit als Marketing-Strategie

Die einen Unternehmen verstehen Marketing als eine Abteilung eines Unternehmens, ein Stockwerk über der Personalentwicklung. Diese Firmen produzieren etwas und versuchen dann, es nach allen Regeln der Kunst wieder loszuwerden. Die anderen verstehen Marketing als die Ausrichtung des gesamten Unternehmens auf den Markt und stellen deshalb Produkte her, von denen sie glauben, dass Kunden sie haben wollen. Es gibt aber noch eine dritte Art des Unternehmens. Hier arbeiten Menschen, die nach etwas suchen, dass es noch nicht gibt, weil sie unzufrieden mit dem sind, was es gibt. Weiterlesen ›